Gruppenhaltung vs. Einzelhaltung

Die Gruppenhaltung von Kornnattern ist ein umstrittenes Thema. Ich möchte hier einige Vor- und Nachteile der Einzelhaltung und Gruppenhaltung aufzeigen.

 

Dazu zuerst ein paar Erläuterungen:

In der Natur sind alle Schlangen Einzelgänger. Man sollte meinen, dass Kornnattern deshalb auch im Terrarium alleine gehalten werden sollten.

Immer wieder hört man dann "Ach, die kuscheln doch so süss und die sind immer am gleichen Ort im Terrarium! Ich kann die beiden einfach nicht trennen!!!". Das ist definitiv eine Vermenschlichung dieser nicht sozialen Tiere. Kornnattern kennen keine sozialen Gefühle wie z.B. Katzen. Katzen wachsen zusammen auf, spielen miteinander und kuscheln. Die Mutter zieht die Kitten mit viel Liebe auf und ohne die Mutter wären die kleinen Kätzchen völlig verloren.

Ganz anders bei Schlangen. Die Schlangenmutter legt die Eier an einem geeigneten Ort und verschwindet dann. Keine Brutpflege und sie wird sich auch nie um die kleinen Schlangen kümmern. Die Kornnattern schlüpfen also vollentwickelt und sind von Anfang an auf sich selbst gestellt. Sie kümmern sich nicht um andere, es geht ihnen nur um sich selbst, um jagen, Futter, Sicherheit, geeignetes Klima. Eine andere Schlange wäre höchstens noch ein Futterkonkurrent.

So, warum "kuscheln" Schlangen also? Weil es zu dem Zeitpunkt der beste Platz im Terrarium ist was Licht, Wärme, Luftfeuchtigkeit und Sicherheit betrifft. Auch ist ein Versteck mit zwei Tieren darin meist enger als wenn nur ein Tier darin liegt und somit bedeutet das für die Tiere erhöhtes Sicherheitsgefühl. Die Schlangen liegen nicht zusammen weil sie sich mögen, sondern ganz einfach wegen dem besten Platz.

 

Vor- und Nachteile Einzelhaltung:

Wenn jedes Tier einzeln gehalten wird braucht man natürlich viel mehr Terrarien, mehr Strom, mehr Platz - einfach mehr von allem. Der Kostenfaktor ist also um einiges höher als bei der Gruppenhaltung. Andere Nachteile gibt es eigentlich überhaupt nicht. Vorteile sind natürlich, dass man im Terrarium füttern könnte (auf Zeitungspapier) ohne dass sich zwei Tiere in eine Maus verbeissen, es kann kein Kannibalismus auftreten, wenn ein Tier krank ist, ist die Wahrscheinlichkeit kleiner auch andere Tiere in anderen Terrarien angesteckt zu haben, es gibt keine bösen Überraschungen (plötzlich Eier weil das Weibchen doch kein Weibchen war) und keine Kommentkämpfe.

 

Vor- und Nachteile Gruppenhaltung:

Ein Vorteil ist natürlich, dass man weniger Terrarien und somit weniger Platz, Strom, Einrichtung braucht. Mehr Vorteile fallen mir da auch nicht mehr ein. Wenn ein Tier krank ist ,ist das andere sehr wahrscheinlich auch krank. Würgt ein Tier aus, weiss man nicht welches Tier es war. Die Tiere können sich nach der Fütterung ineinander verbeissen. Im schlimmsten Fall kann es sogar zu Kannibalismus kommen was nicht mal mit einer vorhergehenden Fütterung in Verbindung stehen muss. Männchen können sich in der Paarungszeit bekämpfen oder Tiere "verstehen" sich plötzlich nicht mehr - spätestens dann braucht man ein zweites Terrarium und die Streithähne zu trennen.

 

Einige Tipps zur Gruppenhaltung:

Am Besten hält man höchstens 2-3 Tiere gleichen Geschlechts zusammen. Zwei bis drei Tiere kann man einfach besser kontrollieren und auch bei Krankheit werden weniger Tiere angesteckt. Tiere die zusammen gehalten werden sollten ca. die gleiche Grösse bzw. das gleiche Gewicht haben. Also bitte keinen 30cm Wurm mit einer 140cm Kornnatter vergesellschaften. In der Gruppenhaltung müssen mindestens 2 Verstecke in jeder Temperaturzone vorhanden sein damit sich die Kornnattern aus dem Weg gehen können. Manche Tiere haben nach dem Füttern einen richtigen Futterrausch und beissen nach allem was sich bewegt. Deshalb sollte man die Kornnattern erst wieder zurück ins gemeinsame Terrarium lassen wenn sie sich beruhigt haben.

Männchen und Weibchen sollten auf keinen Fall zusammen gehalten werden. Das Männchen würde das Weibchen dauerhaft bedrängen was extremen Stress für das Weibchen bedeutet. Ausserdem müsste das Weibchen so 1-2 Mal im Jahr Eier legen was extrem an die Substanz geht. Der Gesundheit des Weibchens zuliebe sollte man also Männchen und Weibchen getrennt halten. Ausserdem sollte man Kornnatter"weibchen" unter 300 Gramm erst vergesellschaften wenn sie mindestens 3-5 Mal gepoppt oder sondiert wurden. Männchen können nämlich beim Poppen oder Sondieren gerne mal kneifen und als "falsches" Weibchen bestimmt werden. Deshalb ist es wichtig das Geschlecht mehrmals zu überprüfen damit es in der Gruppenhaltung nicht plötzlich überraschend Eier gibt, obwohl das Weibchen im Prinzip viel zu leicht für die Anstrengungen einer Trächtigkeit und Eiablage ist.

Selbst bei Beachtung aller Vorsichtsmassnahmen und auch wenn lange alles gut gegangen ist, kann trotzdem Kannibalismus auftreten - zwar selten, aber möglich.

 

Schlusswort:

Wie man sieht gibt es sehr viel zu beachten in der Gruppenhaltung. Viele halten Kornnattern zusammen und es gibt in sehr wenigen Fällen Probleme obwohl sie eigentlich Einzelgänger wären.

Wer den Platz und das Geld hat darf natürlich gerne jedem Tier ein eigenes Reich zur Verfügung stellen. Es ist aber auch nicht so unglaublich dramatisch wenn die Tiere zu zweit gehalten werden - solange man das oben Geschriebene beachtet.